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Ein Jahr in Georgien - ერთი წელი საქართველოსჰი

Mi

28

Nov

2012

Meine Arbeitswoche oder auch erneute Enttäuschung

Hier mal kurz mein Arbeisplan, wie er sein sollte.

 

Montag: Frei

 

Dienstag: Frei

 

Mittwoch: ab 13 Uhr Office Work (Planung und Vorbereitung Projekte, z.b. anstehend Childrens Day. Hier planen wir den Tag in den verschiedenen Jugendzentren, mit Spieletag, Ausstellungen etc.)

               17 - 18 Uhr Deutsch-Beginners Unterricht, für 3 Mitarbeiter unserer Organisation

               19-20 Uhr  Deutsch- Fortgeschrittenen Kurs für eine Mitarbeiterin der Oranisation

 

Donnerstag: ab 13 Uhr Office Work (was gerade anfällt, auch mal einen Katalog designen, Internetseite neu einrichten)

 

Freitag: ab 13 Uhr Office Work (wie oben beschrieben)

            19-20 Uhr Deutsch-Beginners Unterricht

             20-21 Uhr Deutsch- Fortgeschrittenen Kurs

 

Samstag: Jugendzentrum Diromi (Wohnbezirk in Tbilisi, auch Wohnsiedlung von Intern Vertriebenen)

             11-12 Uhr Handarbeitskurs für Kinder

             12-13 Uhr Malkurs für Kinder

             13-14 Uhr Deutsch-Anfänger Kurs mit einer Bewohnerin Diromis. Dieses Mädchen ist 24 Jahre alt und  seit einem schweren Autounfall behindert.

 

 

Die Realität sieht allerdings so aus, dass ich fast nur zu den Deutsch Unterrichtseinheiten im Office bin und wirklich arbeite. Samstags bin ich in Diromi und schaue den Kindern zu und habe danach Deutsch Unterricht. Das heißt im Endeffekt wird die Woche über wieder nichts getan. Daher frage ich mich wirklich oft, wofür ich eigentlich hier bin und das mache. Ich sehe meine Rolle nicht, fühle mich unnütz und allein. Die Sprache ist wirklich die größte Schwierigkeit und die meisten können kein Englisch.

 

Und an dieser Stelle muss ich zugeben, trotz des Umzugs, trotz der neuen Umgebung, Nein, ich fühle mich nicht wohl. Ich fühle mich allein und unnütz. Das ganze Land schlummert schon Ewigkeiten in einer Depression und ich versinke immer tiefer darin.

Ich merke wie ich faul werde und mich von meiner Umgebung ansstecken lasse. Klar man sollte aufspringen und was dagegen unternehmen. Aber ich habe nach drei Monaten Auslansmiserie keine Lust mehr immer und immer wieder zu kämpfen. Leider sieht man das es hier an allen Ecken so aussieht, auch meine Freiwilligen Kollegen erzählen mich ähnliches. Wenn nicht mal die Bevölkerung motiviert ist und keine Arbeit hat, wie soll ich es dann haben?! Vor lauter Gedanken im Kopf kann ich seit Wochen nicht mehr wirklich schlafen und nehme das erste Mal in meinem Leben jetzt auch Schlafmedikamente. Hier gibt es keinen geregelten Tagesablauf. Es ist nicht unnormal, dass die Menschen um 04:00, 06:00 oder 07:00 erst schlafen  gehen und am Nachmittag aufstehen. Und es reist einen mit. Man hat absolut keine Anhaltspunkte mehr. Da die Organisation sich auch mehr oder weniger nicht darum schert, ob man da ist oder nicht, ob man was tut oder nicht, hat man nicht mal mehr irgendwelche Verpflichtungen. Ich bin extrem antriebslos. Das Nichtstun macht einen fertig. Meine Mitfreiwilligen geht es leider gleich.

Zudem merkt man jetzt auch die Hygieneprobleme im Land am eigenen Leib zu spüren. Ständig Wasserausfall. Viele Krankheiten kommen auf einmal.

Kurz nachdem ich zurück nach Tbilisi gekehrt bin, habe ich mich wirklich gut gefühlt und gedacht jetzt wird alles besser, aber das wurde es nicht.

 

Leider muss ich alle Leser enttäuschen: Den Sinn hier hinter dem Ganzen, habe ich immer noch nicht gefunden und bin immer noch unglücklich.

Meine Meinung zum Freiwilligendienst ist ganz klar, dass es ein reiner Lern-/"Zuschau"-Dienst ist, nicht mehr und nicht weniger. Jeder der denkt, er könnte hier etwas bewegen, sollte sich das ganz schnell aus dem Kopf schlagen. Man kann das ganze hier mit einem Urlaub vergleichen, nur eben nicht drei Wochen, sondern ein Jahr, nicht in einem Hotel, sondern bei Einheimischen. Es ist wirklich besser sich 3 Monate Zeit zu nehmen und sich das Land seiner Wahl anzuschauen, das ist völlig ausreichend. Um sich wirklich im entwicklungspolitischen Dienst zu engagieren, bildet man sich besser ausreichend fort und macht einen Fachdienst. Heißt man arbeitet in seinem richtigen Berufsfeld professionell im Ausland.

 

Ich bin hier hergekommen, aufgrund der Arbeit und stelle fest, dass ich als Freiwillige meine Absichten für diesen Dienst nicht realisieren kann. Ich hatte nur zwei Einzige Erwartungen an diesen Dienst: glücklich sein und Spaß haben. Nicht mal diese Erwartungen haben sich erfüllt.

 

Wir sind die ersten Freiwilligen, die von unserer Organisation nach Georgien geschickt wurden und mein Fazit nach erst 3 Monaten ist, dass dieses Land kein Land für Freiwillige ist.

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Mi

28

Nov

2012

Die ersten Tage zurück in Tbilisi

Diesen ganzen Trip könnte man eigentlich auch als einzige Komödie sehen, in der ich die Hauptrolle spiele.

Jetzt sitze ich in meinem Lieblingskaffee und will von dieser kleinen -meiner- ruhigen Insel eigentlich nie wieder weg. Und das wo ich doch die letzten Tage nie aus meinm Appartment raus wollte?!

Dieses Café liegt auf der Rustaveli Ave. in einem kleinen Hinterhof und ist verknüpft mit einem Buchladen. Eigentlich ist das Café und der Buchladen komplett mit englischen Büchern, CD´s, DVD´s und Krimskrams gefüllt. Unten habe ich auch drei Bilder. Es ist ruhig, es gibt Pflanzen und man sieht viele Gleichgesinnte. Menschen die auch in einem fremden Land sind, manchmal genauso alleine wie ich. Menschen die auch eine Hauptrolle ergattert haben.

Es windet ein bisschen, aber das ist toll! Die Gedanken sind dann so schön frei. Die Kellnerin räumt ab. Ich würde nicht behaupten, dass sie genervt ist, aber lächelnd habe ich sie noch nie gesehen. Ich mag sie. Sie spricht nicht viel, sondern nur das Nötigste, sie nimmt eben nur die Bestellung auf.

Immer wenn ich hier her komme, frage ich mich was wohl hinter ihrem leeren Gesichtsausdruck steckt. Was ist sie wirklich für eine Person und welche Rolle spielt sie in meinem Film? Sie beruhigt mich. Wirklich erklären warum kann ich noch nicht. Meine Kellnerin spielt, wie ich festgestellt habe, eine wichtige Rolle für mich. Es ist die einzige Sache hier, die Standhaft bleibt. Jedes Mal, wenn ich hier herkomme ist sie noch da, sie läuft, sie arbeitet, es geht voran. Hört sich bescheuert an, aber genau solche konfusen Gedanken hat man im Ausland.

gerade muss ich schmunzeln, dass ich soviel über eine Kellnerin und über ein Café geschrieben habe. Hätte ich früher nie getan.

Lustig zu beobachten ist auch, dass die Gäste hier genauso aufschauen, wenn die Polizei mal wieder ins Megaphon brüllt oder die Sirenen losgehen, in der normalen Umgebung ist man da meistens die Einzigste und kommt sich auch ziemlich dämlich vor.

Hier fühle ich mich sehr wohl, weil ich immer komplett abschalten kann und wir auf unserer Insel alle gleich sind. Draußen hat man oft das Gefühl ganz allein zu sein. Natürlich hat man auch hier seine Weggefährten, aber es gibt soviele Barrieren, die eine Distanzüberschreitung unmöglich machen.

Ich möchte ein bisschen von den Menschen hier erzählen.

Seit ca. 30 min sitzt hier ein ausländisches Päärchen, stillschweigend. Warum tut man sowas? Keine Ahnung woher sie kommen. Beide sind jung, perfekt gekleidet. Ich schätze ungefähr 26 Jahre alt. Trinken Café, rauchen, aber immer noch Stille. Nochmal - Warum tut man sowas?!

Neben mir sitzt ein georgischer Student. Gekleidet ist er wie ein junger unerfahrener Geschäftsmann. Er trägt ein Jacket, Jeans, verrannste Turnschuhe, neuer Rucksack, Laptop auf dem Tisch, Headset im Ohr, immer mal wieder klingelt sein Telefon, trinkt Kaba und hört Musik. Ich schätze mal um die 24 Jahre. Netter Nebensitzer. Ich denke mir er sucht hier auch eine Auszeit, denn er ist allein und arbeitet nicht. Außerdem vermute ich das er aus einer ganz normalen georgischen Familie kommt. Am Anfang denkt man hier, alle gut gekleideten Menschen haben Geld oder sind Normalverdiener. Hier läuft das allerdings wie im 19 Jahrhundert. Man hat ein, zwei gute Outfits, die man für die Öffentlichkeit, Schule, Beruf o.ä. anzieht und zuhause zieht man meistens die Joggingsachen an, denn die gute Kleidung könnte sonst schmutzig werden oder gar kaputt gehen. Und einfach Neues kann man sich hier nicht leisten.

Er raucht noch eine letzte Zigarette, legt den Kopf in den Nacken, blickt in den Himmel und pustet den Rauch nach oben aus. Er packt zusammen und geht.

Ich schlürfe an meinem Strohhalm den letzten Schluck Kaffee aus und es entsteht das typische Schlürfgeräusch, es ist mir peinlich. Mir ist hier fast nichts mehr peinlich. man sieht verschlafen aus -egal, die Haare sehen nicht perfekt aus - egal, man hat einen Fleck oder ein Loch auf der Kleidung - egal, die Kleidung passt überhaupt nicht zusammen oder ist nicht modisch - auch egal (wobei ich daran noch etwas festhalte). Aber kaum zu glauben, das Schlürfgeräusch ist einem noch peinlich. Da sieht man mal, wie tief die Metalität in einem sitzt.

 

Früher wäre ich nie allein in ein Café gegangen. Was würden die Leute nur denken? Inzwische liebe ich diese Momente für mich. Es ist wichtig sich zeit für sich zu nehmen.

Und während ich da so sitze, mir die Menschen anschaue und mir überlege, was das für Menschen sind, warum sie hier sind, denke ich mir nur Toll! Was man alles über Menschen erfahren kann ohne mit ihnen zu sprechen. Das merkee ich auch immer wieder während meinem Aufenthalt hier. Man kann sich oft nicht unterhalten, aber doch weiß man viel über sein Gegenüber, weil man ganz andere Dinge wahrnimmt.

 

Langsam sollte ich nach Hause, denn ich ziehe wieder um. Das 4x in einer Woche, nun aber zum letzten Mal. Aber jedes Mal diese Belohnung hier her zu kommen, lässt mich immer wieder neue Energie schöpfen.

Regel Nr. 1 im Ausland oder Zuhause: Es sind die kleinen Dinge im Leben, die man schätzen muss und über die man sich freuen sollte.

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Mi

28

Nov

2012

Die Männer Georgiens

Während meiner Kulturschock-Phase wurde beschlossen mich zu versetzen. Auch weil die Lage in Gori, die Situation nicht unbedingt verbessert, sondern verschlechterte. Ich sollte nach Tbilisi kommen und im dortigen Office meiner Organisation mithelfen. Bis jetzt hatte ich ja noch nicht sehr viel gearbeitet ;-).

So, da war also der Tag der Abreise, an dem dann auch wieder alles schief lief. Der bestellte Taxifahrer kam nicht, weil er (wie er sagte) ein Problem hat. Mehr als Antwort gabs auch nicht. Also wurde innerhalb einer Stunde, ein anderer Taxifahrer organisiert. Er kam und ich freute mich wie ein Schnitzel, weil das Taxi keine Schramme, Beule hatte und auch noch alles an seinem Platz war, so wie es sein sollte und innen nicht vergammelt war, sondern das erste Mal gut geduftet hat. So gings also los. Ich hatte eineinhalb Stunden Fahrt vor mir und nur einen Gedanken - Weg hier!

Dann hatte ich mein erstes wirklch schlimmes Erlebniss in Georgien. Das hat dazu geführt, dass mein Kulturschock beschlossen hatte, alles noch ein bisschen schlimmer zu gestalten und länger bei mir zu verweilen. Wie schön!

 

Die Taxifahrt hatte normal begonnen, auch der Taxifahrer (ca. 39 Jahre alt) war sehr nett. 1 1/2 Std. hatten wir vor uns. Wir haben angefangen uns zu unterhalten (so gut es ging, denn es ging nur auf georgisch). Wo ich herkomme, was ich mache, wie alt ich bin etc.. Nach kurzer Zeit wurde der Taxifahrer immer persönlicher und hat angefangen mich zu berühren, heißt er hat mir in die Wange gekniffen oder mich im Nacken gepackt. Da dachte ich noch, ok, ich weiß das die Georgier/innen nicht diese Distanz kennen, wie wir Europäer das kennen. Und wer weiß, vielleicht mag er mich einfach nur. Aber nach einer Zeit war es viel mehr. Er hat mich massiv angetatscht und versucht mich zwanghaft zu küssen und hat es auch getan. Ich wusste überhaupt nicht mehr was ich tun soll. Man versteht die Sprache nicht gut, die Kultur kennt man auch noch nicht wirklich. Ich war so schockiert, dass ich nicht mal daran gedacht habe, einfach jemanden anzurufen und um Hilfe zu beten.

So saß ich einfach nur im Taxi, hatte Panik und hab gehofft endlich in Tbilisi anzukommen. Innerlich habe ich diesen Mann verflucht, gesagt habe ich nichts. Wer weiß schon, wer das ist? Am Schluss sagen ich etwas und er verschleppt mich aus lauter Wut oder tut schlimmeres.

Er wollte 3 Mal anhalten, um mit mir ein Bier zu trinken, was ich dankend abgelehnt habe, mit der Begründung das mein Mentor schon auf mich wartet. Er fragte mich, ob ich ihn mit nach Deutschland nehme und sagte das ich jetzt seine Freundin sei, auch könnten wir ja jetzt Sex haben, ich sei so ein tolles Mädchen. Wie heißt es so schön: Sei schlau, stell dich dumm. So habe ich obwohl ich alles verstand und zwar haargenau, versucht mit "Ich verstehe nicht" weiter zukommen.  Ich denke im Nachhinein hat mir das viel geholfen, weil ihm das nach und nach zu blöd wurde und der Aspekt, dass er wusste, da wartet jemand auf das Mädchen.

Richtig komisch wurde mir erst, als wir mitten auf der Autobahn angehalten haben. Einfach auf der Spur anhalten und den Rückwärtsgang setzen, die Auto´s die von hinten kommen, sehen uns ja. Auf diese Art haben wir uns dann auf dem Seitenstreifen wiedergefunden. Hinter uns stand schon ein Auto mit zwei männlichen Insassen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich Angst und habe mir die schrecklichsten Szenen ausgemalt. Der Taxifahrer stieg aus und ging zu dem hinter uns stehenden Wagen. Ich hatte mich zu vorsicht abgeschnallt und das Handy griffbereit und zwar so, dass ich nur noch auf den grünen Hörer hätte drücken müssen. Es war schon sehr misteriös. Er hat sich kurz unterhalten und dann sind wir auch schon weiter. Ich habe absolut keine Ahnung was da war. Froh war ich, als wir endlich ankamen. Levan mein Mentor war schon da und der Fahrer verabschiedete sich mit Hände schütteln, einem ekligen grinsen und dem Satz: "Sehr nettes Mädchen."

 

Ich möchte hier kein falsches Bild aufkommen lassen, aber ich möchte euch die Wirklichkeit auch nicht vorenthalten. Etwas dieser Art ist mir bis dahin nie passiert und auch danach wurde nie wieder so extrem in meine Intimsphäre eingegriffen.

 

Allerdings muss man sich als Frau das ein oder andere Mal hüten und sehr behutsam mit seinem Verhalten umgehen.

Denn: Freundschaften zwischen Mann und Frau gibt es in Georgien nicht!

Das heißt, man unterlässt es nett zu lächeln oder eine zu intensive Unterhaltungen mit Jungs oder Männern zu führen. Für mich war das erst mal wirklich unnormal und nicht verständlich. Aber man lernt ja bekanntlich aus Erfahrungen und auch ich habe das so gelernt.

Ich spreche hier nur über die Männer in Georgien.

So oft wurde es mir gesagt und im Endeffekt dachte ich, naja, aber es sind ja nicht alle so. Und musste dann feststellen, leider doch. Man will sich integrieren und muss lernen wie. Keine Handynummern ausgeben (auch wenn es dein potenzielles neues soziales Umfeld sein könnten), keine Emailadresse herausgeben, und Facebook so gut es geht geheim halten.


Am eigenen Leib das erste Mal erfahren, habe ich das in Gori. Direkt in meiner ersten Woche saß ich mit einigen jüngeren TurBaza Bewohnern vor dem Jugendzentrum, als mich einer dieser Männer nach meiner Handynummer fragte. Ich sagte ihm, dass ich nicht unhöflich sein möchte, aber ich ihm diese lieber nicht geben möchte. (Kurze Anmerkung: Wir hatten die gleichen Handy´s). Er antwortete mir, das dies gar kein Problem sei und er das natürlich verstehe. Was ich nicht mitbekommen hatte, war das er (während er mir das so freundlich mitteilte) mein Handy entwendete und sich von meinem Handy aus anrief. Somit erschien logischerweise meine Nummer auf seinem Display. Als ich sah wie er mein Handy wieder zurücklegen wollte, wusste ich gar nicht was ich sagen soll. Tja, so war das. Das Fazit war, dass ich täglich mehrmals angerufen wurde (ganz von dem SMS-Terror zu schweigen) und auch Nachts nicht vor einem Besuch sicher war. Zudem war zu diesem Zeitpunkt noch kein Schloss in meiner Balkontür eingebaut, was mich noch etwas ängstlicher machte. Konnte ja sowieso  jeder bei mir ein und ausspazieren, wann er wollte. Mein Chef hatte mit ihm dann einige Auseinandersetzungen und ich weiß nicht was er gesagt hat, aber nach 2 Wochen hatte auch dies endlich ein Ende.

 

Danach kam die Taxifahrt.

 

In Tbilisi wurde ich dann von 2 Männern täglich via Facebook belästigt. Das schlimme ist, dass diese nicht mal zurück schrecken, obwohl man einen Freund hat oder nicht mehr antwortet. Denn sie akzeptieren das nicht, ihres Stolzes Willen nicht. Inzwischen ist es nur noch einer.

Was man tut? Nichts. Nicht drauf eingehen und versuchen den Kontakt einfach abzubrechen (auch wenn das meist nichts bringt). Mehr kann man nicht tun.

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Mo

26

Nov

2012

Back to tbilisi

Was soll ich sagen, ich habe eine Horror Zeit hinter mir. Um etwas Licht ins Dunkel zu bekommen, möchte ich mich kurzfassen. Ich habe eine 2 monatige Kulturshock hinter mir. Kurz vor unserer Ausreise, hatten wir uns so oft mit diesem Thema befasst und es war alles Klar. Kulturshock. Dieses Wort ist einem eher Fremd, als das man es wirklich verstehen könnte - bis man selber mitten drin steckt. Und wenn man dann wirklich mitten drin steckt,kann man ihn nicht erkennen geschweige denn akzeptiert man es auch nicht als solchen.

Ich möchte euch erklären, was hinter diesem Wort steht, denn mehr muss ich zu meiner damaligen Gefühlslage nicht erzählen.

 

Der Begriff Kulturschock bezeichnet den schockartigen Gefühlszustand, in den Menschen verfallen können, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen. Dieser wird in 4 Phasen aufgeteilt: 1. "Honeymoon"-/Euphoriephase, 2.Krise, 3.Erholung, 4.Anpassung.

Was in einem vorgeht? Man steht unter Stress aufgrund der Angst, sich nicht anpassen zu können, man hat das Gefühl einen großen Verlust in Kauf genommen zu haben in Bezug auf Freunde, Status, Beruf und Besitz etc., man hat ein Gefühl der Ablehnung, weil man sich von Einheimischen abgelehnt fühlt oder diese selbst ablehnt. Man ist verwirrt, welche Rolle habe ich? Welche Erwartungen haben die anderen? Welche Werte sind mir und/oder den anderen wichtig? Wer bin ich hier? Größtenteils ist man unglaublich verwirrt über seine Gefühlszustände, über seine Verhaltensweisen, weil man sich im Grunde in dieser Phase um 180 Grad wendet. Man versteht sich selbst nicht mehr, kann seine Gefühle nicht mehr ordnen, man hat Angst, manchmal empört und sprachlos über bestimmte Verhaltensweisen der Kultur, der Menschen. Dann wird einem wirklich bewusst, wo man ist.

Das schlimmste für mich war, man fühlt sich gelähmt. Ganz egal wie stark man zuhause war, in dieser Phase ist man Nichts.

Man kann es fast kaum nieder schreiben, weil es unmöglich ist. Man sieht keinen Ausweg mehr. Es gleicht wirklich einer Depression.

Alles oben beschrieben ist auf mich eingeprasselt und zwar alles auf einmal. So kam es, dass ich nicht mehr von zuhause weg bin, mich komplett isoliert habe, angstzustände hatte, mit keinem mehr reden wollte, Heulkrämpfe über mich kamen, jederzeit einfach ohne Grund, ich nichts mehr gegessen habe und mich ohnmächtig gefüllt habe.

Wie ich mich 2 Monate lang gefühlt habe, sieht man an der Grafik unten.

Ein Kulturschock ist normal. Jeder hat ihn, der ins Ausland geht, beim einen schlimmer, beim anderen weniger schlimm, manchmal sogar so leicht, dass man ihn nicht einmal bemerkt. Ich wäre froh drum gewesen. Innerhalb eines Jahres tritt er normalerweise in den ersten drei Monaten auf und ist auch nicht innerhalb eines Tages wieder verschwunden. Es ist eben individuell.

Ich sag euch, in dieser Zeit hätte mich keiner wieder erkannt, nicht mal ich hab es getan.

 

Es hat viele Gespräche und einige Erneuerungen benötigt, bis es wieder langsam Bergauf ging und ich das auch wirklich akzeptieren konnte.

Ich hatte ihn dieser Zeit engen Kontakt zu unserer Organisation, Freunden und meienr Familie, die mich sehr unterstützt haben. Wären sie nicht gewesen, hätte ich definitv den Dienst abgebrochen.

 

Was mir in dieser Zeit immer ein bisschen geholfen hat, war das Schreiben.

Ich habe einige Zeilen nur für den Blog geschrieben, um euch nach dieser Miserie zu zeigen, was sich in meinem Kopf abgespielt hat. Das Kulturschock nicht nur ein Wort ist, sondern was es tatsächlich bedeutet.

Manchmal wirkt es ein bisschen chaotisch, wegen der Gedankensprünge, aber ich habe eben meine Gedanken aufgeschrieben ;).

 

29. Oktober 2012

"Ich habe jetzt seit 3 Tagen nicht gegessen, weil ich keine Lust habe und ich es inzwischen auch häufiger vergesse und zudem auch nicht mehr wichtig finde. Gut oder Nicht? Inzwischen ist es mr egal.

Meine Motivation ist komplett verschwunden. Ich lasse Alles über mich ergehen, weil wirkliche Hilfe so wie ich es mir wünschen würde bekomme ich nicht." (Kurze Anmerkungen: Das war meine Wahrnehmung. In der Realität hatte ich täglich ein oder sogar mehrere Male Telefonate, in denen wir nach Auswegen gesucht haben und im Endeffekt auch gefunden haben).

"Ich funktioniere nur noch, aber auf Sparflamme. Ich habe kein Interesse mehr, weil für meine Anregungen, Tipps etc. auch keiner Interesse hat. Also - drauf ges****!

Ich bin nicht mehr wütend, launisch, gereizt, nicht mehr enttäuscht, weil ich nichts mehr fühle. Ich spüre nichts mehr.

Alles, wirklich alles um einen herum ist verwirrend und und scheint nur noch als ein einziges Chaos.

Es ist keine einfache Situation. Man weiß nicht wohin mit sich und noch komplizierter wird es, wenn es auch sonst keiner weiß.

Man versteht die Sprache nicht, man kann nicht in die Tiefen fühlen. Es bleibt trotz allen Bemühungen die Distanz. Und das macht die Arbeit und das Leben zur Hölle.

Man möchte, kann aber nicht. Es ist deprimierend!

 

Was besonders schwer fällt, ist Leute einzuschätzen oder Vertrauen aufzubauen. Vetrauen aufbauen, indem man nur jemandes Mimik kennt? Jeder würde mir zustimmen - unmöglich!

 

Falls mich jemand fragen würde: "Wie sehr kann Liebe wehtun?"

Würde ich antworten: "Mach ein Auslandsjahr, dann weißt du´s!"

 

Viel habe ich probiert, aber irgendwann muss man einsehen, dass manche Dinge unmöglich sind. Und diese bittere Erkenntnis schmerzt so sehr...Es macht einen krank und verrückt"

 

Soviel zu meinen letzten 2 Monaten.

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Mo

26

Nov

2012

"Turtorial": Wie öffnet man eine Wein Flasche ohne Korkenzieher?!

Fazit: Nach ca. 1 Stunde war die Weinflasche offen =).

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Mo

26

Nov

2012

Fussballmatch Gori: And the Winner is.....

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Mo

26

Nov

2012

Geburtstag von Ia in Gori

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Mo

26

Nov

2012

Vardzia - Die Stadt im Fels

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Mo

26

Nov

2012

Akhalzikhe die Festung bei Tag

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Mo

26

Nov

2012

ENDLICH! Bilder Gori

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